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Pfoten

Eignung und Ausbildung der Hunde

Unsere Erfahrungen in den letzten Monaten haben gezeigt, dass es keine "Ausbildung zum Therapiehund" gibt. Sicherlich gibt es hier viele verschiedenen Meinungen. Die Praxis hat uns jedoch gezeigt, dass dem Hund die Eigenschaften, die ihn als Therapiehund auszeichnen, von Natur aus mitgegeben worden sind. Entweder ist er also freundlich, kontaktfreudig und geht auch offen auf Fremde zu - dann ist er geeignet. Müssen wir ihn erst dahingehend ausbilden, scheint uns das nicht der richtige Weg zu sein.

Zudem setzen wir die Maßstäbe an einen Besuchs- bzw. Therapiehund nicht so hoch an. Wir helfen im Kleinen.

Ein Spaziergang z. B. mit einer behinderten Person - das kann jeder freundliche Familienhund. Auch wenn er noch nie in seinem Leben einen Hundeplatz kennen gelernt hat und vielleicht nicht weiß was ein Vorsitz ist !

Vielleicht ist aber auch einfach der Begriff "Ausbildung zum ..." falsch gewählt. Wenn wir davon aus gehen, dass angeborene Charaktereigenschaften den Hund für diesen "Job" prädestinieren, heißt das natürlich nicht, dass wir ihn nicht mehr "schulen", bzw. ihn auf seine Arbeit vorbereiten.

Bei uns hat jeder Hund eine oder mehrere spezielle Aufgaben. Sein Wesen und sein Charakter bestimmen seine Eignung und seinen Einsatz.

Wir führen ihn langsam an bestimmte Dinge und Situationen heran, um ihm die Arbeit zu erleichtern. Besondere Fähigkeiten sollten erkannt und gefördert werden.

Die meist kleinen beweglichen Hunde lernen Kunststückchen und verschiedene "Spiele", die sie dann z.B. zusammen mit Kindern machen. Ein anderer lernt das ordentliche Laufen am Rollstuhl oder das Aufheben von herunter gefallenen Gegenständen. Das Erkennen von Sichtzeichen, wenn der Hund mit sprachgeschädigten Menschen zusammen kommt, ist auch ein wichtiges Element in der Schulung.

Wichtig ist immer, dass wir so mit dem Hund arbeiten, wie es seinen persönlichen, ihm von der Natur mitgegebenen Eigenschaften entspricht. Kunststückchen sind toll, aber ein 60 kg schwerer Bernhardiner sollte nicht durch einen Reifen springen müssen oder eine Rolle machen.

Es gibt einen Eignungstest, der gemeinschaftlich von den Regionalgruppenleitern erarbeitet worden ist. Er beinhaltet Grundgehorsam, allgemeines Verhalten (z. B. bei Joggern, Radfahrern) und Vertrauensübungen. Letzteres sind z.B. Abtasten des ganzen Körpers, umklammern oder plötzliche Berührungen von hinten. Ein Therapiehund sollte sich auf jeden Fall überall anfassen lassen!

Bevor das Team das erste Mal in eine Einrichtung geht, möchte ich es natürlich kennen lernen, dabei ist der Test eine gute Hilfe, auch wenn ich einen Hund nicht innerhalb 1-2 Stunden beurteilen kann. Trotzdem erkenne ich dabei viel von seinem Wesen. Schon allein an der Begrüßung, die er mir - der fremden Person - entgegenbringt, lässt sich schließen, wie er sich generell Menschen gegenüber verhält. Zu beachten ist auch immer die Aufregung, die so ein Tag auf einem fremden Gelände mit sich bringt. Oftmals erwarten die Hundeführer ein mustergültiges Verhalten ihres Tieres und sind enttäuscht und vielleicht auch ärgerlich auf ihren Hund, der sonst natürlich immer Sitz und Platz macht! Das diese Dinge nicht immer ausschlaggebend sind, lernen auch sie schnell in der Praxis. Der Hund darf immer Hund bleiben!

Ganz wichtig sind natürlich die Gespräche mit dem Hundeführer. Er kennt seinen Hund am besten und kann mir viele Informationen über das Tier geben. Danach entscheiden wir dann gemeinsam, welche Einrichtung für das Team in Frage kommt. Dabei sind auch die Wünsche des Hundeführers zu beachten. Beim ersten Termin begleitete ich die beiden immer. Das Benehmen des Tieres in der Einrichtung ist für mich der eigentliche und wichtigere Teil des Eignungstests.

Und natürlich legen wir Wert auf den Grundgehorsam. Aber auch hier gehen die Meinungen auseinander, was der Grundgehorsam beinhaltet. Ich komme aus dem Hundesport und habe da sicherlich höhere Maßstäbe, wie z.B. jemand, dessen Hund ausschließlich als Familienhund lebt.

Sitz und Platz gehören natürlich zum Grundgehorsam, wie auch das ordentliche Laufen an der Leine.

Trotzdem haben wir auch Hunde, wo das noch nicht so gut klappt. Vielleicht deshalb nicht, weil sie erst ein halbes Jahr alt sind oder sogar jünger... ? Dafür erfreuen sie die Menschen mit ihrem Temperament und ihrer Fröhlichkeit.

Und o.k., der Hund, der sein Spielzeug nicht abgibt, muss ja auch nicht unbedingt mit Kindern Ball spielen. Er kann aber vielleicht jemanden am Krankenbett besuchen, denn er ist ansonsten ruhig und besonnen ...?

Wichtig ist einfach, dass die Hundeführer ihre Tiere gut kennen und genau wissen, wo ihre Grenzen liegen. Sie müssen sie gut beobachten und auftauchende Probleme sofort angehen.
Unsicherheiten müssen wir den Tieren auch mal zugestehen! Viele Situation können nicht im Training nachgestellt werden. Diese Unsicherheiten sollten aber durch Gewöhnung, Lob und Motivation "Leckerchen" schnell verschwinden.

Und immer muss der Hund Spaß an seiner Aufgabe haben . Ist das nicht so, sollte man den Einsatz des Tieres überdenken !

 

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Stand: 21. June 2004