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Pfoten

Snuffs-White ("Karhu")

weißer Schäferhund
Hundeführerin: Gaby von Döllen

Karhu als Therapie- und Besuchshund 

Es stellte sich sehr schnell heraus, dass Karhu über ein erstaunliches Wesen verfügt. Er ist ein Hund, der auf alles und jeden freundlich zugeht. Gegenüber anderen Hunden unterwirft er sich lieber als dass er es auf Streitigkeiten ankommen lässt. Er hat sich in unserem Familienrudel problemlos eingeordnet und zeigte selbst gegenüber Personen, die vermummt oder stark alkoholisiert waren, nie irgendeine Regung.

In diversen Gesprächen waren wir uns einig, dass man die Wesenszüge nutzen und fördern sollte. Leider mussten wir eine Rettungshundeausbildung sehr schnell aus zeitlichen und familiären Gründen ausschließen. Der notwendige Zeitaufwand ist für unsere Familie zu hoch, da unsere Kinder noch recht klein sind und wir auch anderweitig diverse Verpflichtungen haben. Auch die nächste Rettungsstaffel ist einige Kilometer entfernt.

Was also tun? Im Futterhaus sah ich einen Aushang der Gruppe Delmenhorst u.U. des Vereins Tiere helfen Menschen e.V. Ich nahm die Telefonnummer mit, kam aber nicht dazu, dort anzurufen. Erst als in einer Hundezeitung ein Bericht über eben diesen Verein brachte, fiel mir diese Telefonnummer wieder ein und ich rief die Leiterin der Gruppe an. Sie selber hat einen ausgebildeten Rettungshund und konnte mir so auch einige Vergleiche beschreiben. Man merkte aber, dass hier jemand mit voller Begeisterung bei der Sache war. Das Telefonat dauerte fast 2 Stunden, indem mir beschrieben wurde, was der Hund zu tun habe.

Je nach Temperament und Charakter werden für die Hunde die Institutionen ausgesucht, in denen sie eingesetzt werden. Wenn ein Hund Probleme mit Behinderten hat, wird er eben in keinen Behindertenheimen eingesetzt. Der Hund muss nur eine gewisse Gutmütigkeit an den Tag legen und sicher reagieren. Die Grundvoraussetzungen sind somit nicht allzu hoch, der Hund kann mit den Aufgaben wachsen. Ein junger aktiver Hund ist z.B. mit der Arbeit bei autistischen Kindern überfordert, er braucht Erfahrung und ggfs auch eine spezielle Ausbildung. Der Hund wird auch sofort aus einer Institution abgezogen, wenn er nach einigen Besuchen nicht mehr freudig in die Einrichtung geht. Die gesamte Arbeit ist daher abhängig vom Charakter des Hundes und dem Beurteilungsvermögen des Besitzers.

Eingesetzt werden die Hunde in Behinderteneinrichtungen, Altenheimen, Kindergärten und Schulen und auch in Gefängnissen. Im Prinzip überall, von wo Anfragen kommen und Hunde bzw. Tiere im allgemeinen Hilfsdienste psychischer oder physischer Art leisten können. Die Arbeit ist für die Besitzer und Hunde ehrenamtlich (allerdings fällt für Karhu im Altenheim immer etwas ab).

Auf die Frage "was muss der Hund können", bekam ich die Antwort: er muss gehorchen und Bindung zum Besitzer haben. Dann muss er sich in Extremsituationen sicher zeigen, d.h. er darf z.B. nicht schnappen, wenn ihn jemand unvermutet von hinten anfasst. Das passiert bei Behinderten und auch bei Kindern laufend. Hunde, die mit Behinderten arbeiten, dürfen sich auch durch ein Kneifen nicht aus der Ruhe bringen lassen. Der Rest ergibt sich später aus der Arbeit, man würde automatisch dem Hund für die jeweilige Arbeit sinnvolle Dinge beibringen.

Wir verabredeten uns für den nächsten Sonntag zum Wesenstest. Der fand auf einem kleinen Platz statt und überprüft wurde Gehorsam (d.h. das übliche Unterordnungsprogramm). Karhu war extrem nervös, da auch unsere Kinder im Sichtbereich laut spielten. Er meisterte das Ganze aber trotzdem recht gut. Anschließend musste er noch mit fremden Personen spielen, auch das ist für die späteren Aufgaben ja dringend notwendig. Karhu hat damit kein Problem, wenn es ums Spielen geht, ist die Hauptsache, dass gespielt wird. Wer mit ihm spielt ist ihm eigentlich relativ egal. Abschließend wurde noch überprüft, wie er auf unbedachte und einengende Berührungen reagiert. Damit war der erste Teil des Tests abgeschlossen und wir verabredeten uns für den "Praxistest" zwei Wochen später.

Hier musste Karhu in einer recht kleinen Halle mit jungen behinderten Männern zurecht kommen. Er wurde in eine bestehende Gruppe genommen, so dass sein Verhalten in derartigen Situationen begutachtet werden konnte. DA jeder neue Hund eine Attraktion ist, sah er sich sofort einigen Männern gegenüber, die unkontrollierte Bewegungen machten und entsprechend laut waren. Karhu war für einen Moment irritiert, stellte dann aber fest, dass es etwas zu futtern gab und war sofort Feuer und Flamme. Er ließ sich anfassen, er ließ sich einquetschen, das alles war keinerlei Problem. Er verbrachte ganze 40 Minuten mit Fangen, Streicheln und Kuscheln. Danach fuhren wir nach Hause und ich merkte, dass diese Zeit ihn doch stark gefordert hatte, denn er schlief tief und fest.

Karhu hatte die Prüfung bestanden und konnte daher - im Alter von nur 11 Monaten - eigenständig eingesetzt werden. Parallel dazu gab es für mich eine Einweisung, was bei solchen Terminen gemacht wird, obwohl die Besitzer hierbei recht freie Hand haben und es kein festes Programm gibt. Da der Sitz der Gruppe, Delmenhorst, recht weit von hier weg ist, suchten sie nach Einrichtungen, die in der Nähe von unserem Wohnort sind und wurden mit dem Altenheim in Osterholz-Scharmbeck fündig.

Der 1. Besuch:

Karhu sprang als erstes mit den Vorderpfoten an der Rezeption hoch und erntete ein freundliches "Hallo" von der Mitarbeiterin des Altenheimes. Wir wurden gebeten, ein wenig auf den Leiter des Heimes zu warten und in dieser Zeit begrüßte Karhu nach und nach alle Anwesenden im Aufenthaltsraum. Wir akzeptierten, wenn jemand Angst vor Hunden hatte und hielten Abstand. Im ersten Gespräch mit der Heimleitung wurde klar, dass wir beiden noch keinerlei Idee hatten, wie das Ganze funktionieren würde, aber wir wollten einmal sehen was passiert und so machte ich mich mit der Heimleitung und Karhu an der Leine auf den Weg durch das Heim.

Im ersten Schwesternzimmer fiel schon einmal eine Scheibe Käse ab. Karhu wollte gar nicht mehr weg, schließlich war der Tisch reichlich gedeckt und wo eine Scheibe Käse ist, sind vielleicht noch mehr. Nach einer eindringlichen Ermahnung, dass er nicht zum Fressen hier sei, kam er mit.

Im Aufenthaltsraum saßen einige Heimbewohner, die sofort von Karhu begeistert waren. So ein lieber Hund. Der liebe Hund schleimte, was das Zeug hielt und legte den Rollstuhlfahrern brav die Pfote in den Schoß. Er weiß genau, wie er zu Streicheleinheiten kommt. Ich hörte Geschichten über Hunde, die schon lange im Hundehimmel sind. Aber auch Ablehnung wie "was soll die Töle hier überhaupt". Nicht jeder ist von dieser Neuerung begeistert, damit muss man leben. Trotzdem betrachtete die Heimleitung das Experiment als gelungen, weil zu sehen war, dass viele ältere Menschen glänzende Augen bekamen und sich an vergangene Zeiten mit ihrem Vierbeiner erinnerten.

Ich verabredete mit der Heimleitung einen Besuch im 14tägigen Abstand und seitdem sind wir jeden 2. Mittwoch vor Ort. Für mich ein Zeitaufwand, der in Ordnung geht, leider habe ich wegen meiner Arbeitszeit, Familie und Hundebetreuung nicht immens viel Freizeit. Während ich zu Anfang gedacht hatte, dass es auch für mich alte Erinnerungen bedeutet, gerade in diesem Heim, wo vor einigen Jahren meine Großmutter, bei der ich aufgewachsen bin, starb, arbeiten zu müssen, stellte ich nun fest, dass es sogar mir gut tut. Es macht Spaß, mit den Menschen zu reden und zu sehen, wie sie auftauen, welche Freude sie daran haben, mit dem Hund zu spielen. Es macht nachdenklich, wenn man sieht, dass eine für uns derart alltägliche Beschäftigung etwas ganz Besonderes ist.

Das Heim hat einen riesigen Innenhof, der von zwei Seiten zugänglich ist. In diesem Innenhof kann Karhu sogar ohne Leine laufen uns spielen. Beim letzten Termin fanden sich sogar zwei ältere Damen im Rollstuhl, die mit Begeisterung die Bälle warfen.

Und ich stellte fest, dass die Gruppenleiterin recht hatte. Man sieht während der Arbeit, was an Ausbildung noch vonnöten ist. Karhu zum Beispiel bringt zwar Bälle zurück und spielt mit Fremden, wenn ich mich abseits halte, aber er legt sie vor die Füße. Für einen Rollstuhlfahrer ein erhebliches Problem. In der nächsten Woche übten wir mit Karhu, dass er die Bälle in den Schoß ablegt. Und genau das tut er jetzt.

Das SOS Kinderdorf

Da noch etwas Freizeit übrig war, fragten wir beim SOS Kinderdorf in Worpswede an und auch von dort kam ein positives Echo. Hundehaltung an sich ist dort nicht möglich, aber es gibt natürlich viele Kinder, die Kontakt zu Hunden wünschen.

Da wir dort zwei Hunde benötigten, trafen wir uns vorher, damit sich Karhu und Spike, ein einjähriger Howawartmix, kennen lernen konnten. Die beiden mochten sich auf Anhieb und so konnte es nach einem Spiel losgehen zum Kinderdorf. Dort kamen uns bereits die Kinder mit dem Ruf "die Hunde kommen" entgegen. Eigentlich war eine Gruppe von 6 Kindern vorgesehen, doch hatte sich der Termin herum gesprochen und es etliche Kinder mehr waren, die auf dem "Dorfplatz" auf uns warteten. Den Tipp der Gruppenleiterin im Ohr, sofort Grenzen zu setzen, weil gerade bei Kindern schnell ein solches Treffen aus dem Ruder läuft, ließen wir die Kinder nur maximal zu zweit an die Hunde; jedenfalls zum Kennenlernen. So gewöhnten sich auch unsere Hunde in Ruhe an diese Situation, denn wenn 10 Kinder auf einen Hund zustürmen und jeder ein Stöckchen wirft, ist der Hund schnell überfordert.

Nach einem Kennenlernen stellten wir fest, dass sich Spike und Karhu als Team wunderbar für das Kinderdorf eignen. Spike, ein ruhigerer Vertreter, der mit Spielen nicht sehr viel im Sinn hat, ließ sich geduldig eine Stunde lang auf den Wegen des Kinderdorfes an der Leine herum führen. Die Kinder waren stolz, einen so großen Hund halten zu können.

Karhu hingegen ist ein Spielhund. Mit einer anderen Gruppe Kinder spielte er auf einer großen Wiese, holte geduldig Stöcke wieder, ließ sich im Schatten streicheln. Nach und nach wurden immer mehr Kinder auf die Hunde aufmerksam und es wird wahrscheinlich die gleiche Situation wie auch im Altenheim entstehen: wir brauchen mehr Hunde, die wir leider zur Zeit nicht haben.

Auch das Kinderdorf war von diesem Projekt begeistert und Spike und Karhu werden zukünftig regelmäßig hier Termine wahrnehmen, an denen wir allerdings auch "Theoriestunden" einflechten werden, denn auch die Behandlung / Reaktion / Ausbildung von Hunden steht auf dem Programm. Es soll den Kindern alles vermittelt werden, was mit Hunden zu tun hat.

Leider ist das Fotografieren aus rechtlichen Gründen im Altenheim problematisch, da wir das Einverständnis zur Veröffentlichung der Fotos benötigen. Da die Damen und Herren oft unter Pflegschaft stehen ist das keine einfache Angelegenheit. Aus dem Kinderdorf werden wir bei nächster Gelegenheit Fotos einbinden.

Wie bereits in vielen Artikeln vorher gesagt: der Weiße Schäferhund braucht Beschäftigung. Wie man sie ihm bietet, ist jedem Besitzer selber überlassen. Wir haben uns entschlossen, diese Beschäftigung unter anderem im sozialen Bereich zu suchen, weil wir mit Karhu einen Hund haben, der die Wesenseigenschaften dafür mitbringt. Natürlich reicht ein Besuch alle 14 Tage nicht aus, um das Bewegungsbedürfnis eines solchen Hundes abzudecken. Es kann nur eine zusätzliche Beschäftigung sein, die eine ergänzende Herausforderung bietet.

 

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Stand: 21. June 2004